Update von der DGK-Jahrestagung 2021: Wie bewähren sich NOAKs im Alltag?

Der Alltagseinsatz von Nicht-VKA oralen Antikoagulanzien war eines der zahlreichen Themen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im April. Außerdem diskutierten die Experten Behandlungskonzepte für hochbetagte Patienten mit Vorhofflimmern.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Coronabedingt fand die 87. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vom 7. bis 9. April 2021 erneut im virtuellen Rahmen statt. Die Tagung stand in diesem Jahr unter dem Leitthema „Kardiologie: Grenzen überwinden, neue Welten entdecken.“1

Falls Sie nicht persönlich dabei sein konnten, erhalten Sie hier eine kurze Zusammenfassung des Symposiums „12 Jahre orale Antikoagulation mit NOAK – Chancen und Grenzen“ unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Norbert Frey aus Heidelberg und Prof. Dr. Stephan Willems aus Hamburg.2

DGK-Jahrestagung: Grenzen überwinden, neue Welten entdecken

Die über 200 Sitzungen der 87. Jahrestagung stehen Ihnen jederzeit on demand zur Verfügung. Voraussetzung ist allerdings die Installation der Kongress-App der DGK.

Sie können aber auch direkt (ohne App) zu dem hier vorgestellten NOAK-Symposium gelangen.

NOAKs: erste Wahl bei alternden VHF-Patienten

Prof. Dr. Jan Steffel aus Zürich war der erste Redner. Er sprach zu dem Thema „NOAK-Handling 2021 beim alternden VHF-Patienten“.2 Wie er dabei ausführte, steigt mit zunehmendem Alter die Inzidenz für Vorhofflimmern (VHF). Häufig gehe diese Herzrhythmusstörung mit weiteren altersbedingten Erkrankungen einher. Diese fragile Patientengruppe trage das höchste Risiko sowohl für thromboembolische Ereignisse als auch für schwere Blutungen – insbesondere, wenn eine Behandlung mit Antikoagulanzien notwendig sei. Die Therapie hochbetagter VHF-Patienten erfordere daher ein effektives, sicheres und individualisiertes Behandlungskonzept.2 Laut Prof. Steffel sollten Nicht-VKA orale Antikoagulanzien (NOAKs) zur Schlaganfallprophylaxe bei älteren VHF-Patienten aus folgenden Gründen den Vitamin-K-Antagonisten (VKAs) vorgezogen werden:2

  • NOAKs haben ein besseres Sicherheitsprofil mit signifikant geringeren Raten von intrakraniellen Blutungen sowie einem geringeren Risiko für schwere Blutungsereignisse.
  • NOAKs haben einen selektiveren Wirkmechanismus.
  • NOAKs sind für ältere Patienten einfacher zu handhaben.
  • Auch Patienten mit Niereninsuffizienz können unter Berücksichtigung der Kreatinin-Clearance mit reduzierten NOAK-Dosierungen sicher behandelt werden.

Neue Real-World-Daten zu Edoxaban

Prof. Dr. Jan Beyer-Westendorf aus Dresden stellte in seinem Vortrag aktuelle Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der NOAK-Therapie im Praxisalltag vor.2 Er präsentierte die für Europa spezifischen Ergebnisse der Registerstudie ETNA-AF (Edoxaban Treatment in routiNe clinical prActice in patients with nonvalvular Atrial Fibrillation) zur Wirksamkeit und Sicherheit von Edoxaban (LIXIANA®). Insgesamt seien 13.092 unselektierte VHF-Patienten an 852 Standorten mit einem Durchschnittsalter von 73,6 ± 9,5 Jahren in die prospektive Beobachtungsstudie eingeschlossen worden, erklärte Prof. Beyer-Westendorf. Die Nachverfolgung über ein Jahr sei zu folgenden Ergebnissen gekommen:2,3

  • Schwere Blutungsereignisse traten jährlich bei 1,05 % der Patienten auf.
  • Eine intrakranielle Blutung erlitten pro Jahr 0,24 % der Patienten.
  • Die jährlichen Raten an lebensbedrohlichen Blutungen oder schweren gastrointestinalen Blutungen waren mit 1,05 % beziehungsweise 0,4 % pro Jahr gering.
  • Ein Schlaganfall oder ein systemisches embolisches Ereignis wurde jährlich bei 0,82 % der Fälle verzeichnet.
  • Mit 3,55 % pro Jahr lag die Gesamtmortalität in einem für diese Hochrisikogruppe als gering einzustufenden Bereich.

Prof. Beyer-Westendorf hob zusammenfassend hervor, dass sich den Daten der ETNA-AF-Studie zufolge unter einer oralen Antikoagulation mit dem Faktor-Xa-Inhibitor Edoxaban nur niedrige Raten von schweren Blutungen, Schlaganfällen und systemischen Embolien sowie von Todesfällen gezeigt hätten.2,3 Ähnlich wie die anderen NOAKs stelle Edoxaban daher auch für Hochrisikopatienten wie gebrechliche, alternde und niereninsuffiziente VHF-Patienten eine wirksame Behandlungsoption dar, sagte er.2

Quellen:

  1. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK). DGK-Programmheft der 87. Jahrestagung (Februar 2021); unter: https://jt2021.dgk.org/files/2021/03/programmheft_jt2021_homepage.pdf (abgerufen am 21.04.2021).
  2. Daiichi Sankyo Deutschland GmbH (April 2021). Pressemitteilung: DGK-Jahrestagung 2021. Lipidmanagement und orale Antikoagulation: Risikopatienten im Fokus; unter: https://www.daiichi-sankyo.de/presse/presseinformationen (abgerufen im Mai 2021).
  3. Groot JR de et al. Edoxaban for stroke prevention in atrial fibrillation in routine clinical care: 1-year follow-up of the prospective observational ETNA-AF-Europe study. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother. 2021 Apr 9;7(FI1):f30-f39; unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32790837/ (abgerufen am 21.04.2021).

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