Intervalltraining bei Herzerkrankungen: Was ist dran?

Sport ja, aber welcher? Eine neue Studie zeigt, dass Patienten nach einem Myokardinfarkt von hochintensivem Intervalltraining besonders profitieren können.1 Auch für Menschen mit VHF kann sich Intervalltraining lohnen.2 Hier erfahren Sie, warum.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Das metabolische Syndrom (MetS) erhöht das Risiko für einen Myokardinfarkt um das 8-Fache.
  • Bei Patienten in der kardiologischen Rehabilitation verbessert hochintensives Intervalltraining das MetS.1
  • Bei Personen mit Vorhofflimmern (VHF) reduziert aerobes Intervalltraining das Auftreten des VHF.2

Adipositas, vor allem abdominale Adipositas, ist eine grundlegende pathophysiologische Komponente des metabolischen Syndroms (MetS). Das Auftreten des MetS bei Patienten mit einem Myokardinfarkt (MI) geht mit einem erhöhten Risiko für unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse sowie für einen erneuten MI einher.1 Eine aktuelle Studie untersuchte daher den Einfluss von hochintensivem Intervalltraining (HIIT) auf das MetS bei Menschen, die sich nach einem MI in Rehabilitation befanden.1

Eingeschlossen wurden Patienten, auf die Folgendes zutraf:1

  • Diagnose sowohl eines MI als auch eines MetS
  • Abschluss von 36 überwachten Trainingseinheiten am Herzrehabilitationszentrum der Mayo-Klinik in Rochester, USA
  • Messung der Blutfette sowie des Nüchternblutzuckers vor und nach der Rehabilitation
  • Doppelröntgenabsorptiometrie vor und nach der Rehabilitation

Die Teilnehmer der beiden Trainingsgruppen (HIIT vs. MICT, siehe unten) unterschieden sich nicht hinsichtlich Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Größe und Body-Mass-Index (BMI). Ebenso wenig gab es Unterschiede bei den Komorbiditäten und der Medikation.1

Ablauf des Trainings

In der ersten Woche absolvierten alle Patienten ein kontinuierliches Training mit moderater Intensität (MICT). Die Belastung während des Trainings wurde anhand der Borg-Skala als „rating of perceived exertion“ (RPE) bestimmt. Waren die Patienten in der Lage, 20 Minuten und mehr bei einer RPE von 12 bis 14 zu trainieren, konnten sie selbst entscheiden, ob sie das MICT fortsetzen oder zum HIIT wechseln. Von den 56 eingeschlossenen Patienten nahmen 42 am HIIT teil, 14 setzten das MICT fort.1

Während der HIIT-Einheiten wechselten sich Zyklen von hoher Intensität (RPE 15–17) mit Zyklen von geringerer Intensität (RPE < 14) ab, sodass eine aktive Regeneration stattfinden konnte. Zu Beginn absolvierten die HIIT-Teilnehmer 4 Zyklen von hoher Intensität, die jeweils 30 bis 60 Sekunden dauerten. Sie steigerten sich im Laufe der Zeit auf 5–8 Zyklen von jeweils 2–4 Minuten innerhalb einer 20- bis 45-minütigen Einheit. Die MICT-Einheiten bestanden ebenfalls aus jeweils 20 bis 45 Minuten Training, allerdings bei einer RPE von 12 bis 14.1 Im Durchschnitt absolvierten die Teilnehmer 12 Wochen lang 3 überwachte HIIT- oder MICT-Einheiten pro Woche.1

HIIT verbessert metabolisches Syndrom

Die Teilnehmer der HIIT-Gruppe zeigten eine deutlichere Verbesserung des metabolischen Syndroms (relatives Risiko = 0,5; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,33–0,75; p < 0,001) im Vergleich zur MICT-Gruppe. Das Vorliegen eines MetS wurde gemäß den Kriterien des National Cholesterol Education Program (NCEP-ATP-III) definiert. Verglichen wurden die Parameter vor Beginn (Baseline) und nach Abschluss des 12-wöchigen Programms.1

Auch beim MetS-z-Score gab es Unterschiede zwischen den Gruppen. Dieser setzt sich aus folgenden Variablen zusammen: Taillenumfang, systolischer Blutdruck, diastolischer Blutdruck, Triglyceride und Nüchternblutzucker. Während der MetS-z-Score in der HIIT-Gruppe um 3,6 abnahm, betrug die Differenz in der MICT-Gruppe nur 0,8 (p < 0,001).1

Außerdem zeigte die Studie folgende weitere interessante Ergebnisse:

  • HIIT wirkte sich positiv auf das Körperfett aus. Dieses nahm im Mittel um 2,1 ± 2,1 kg ab (p = 0,002) und auch das Bauchfett verringerte sich um 2,2 % (p = 0,004). In der MICT-Gruppe hingegen wurde kein Körperfett abgebaut (0 ± 2,2 kg) und beim Bauchfett legte sie sogar noch zu (+ 0,1 %).1
  • In der HIIT-Gruppe erhöhte sich die fettfreie Körpermasse um 0,9 ± 1,9 kg. Dies weist darauf hin, dass diese Studienteilnehmer Muskeln aufbauten. Die MICT-Gruppe verlor dagegen im Mittel 0,9 ± 3,2 kg fettfreie Körpermasse.1

Alle Patienten schlossen die Studie ohne unerwünschte Effekte ab.1 Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass HIIT ein Baustein zur Behandlung des MetS bei MI-Patienten während der Rehabilitation sein kann.1

Intervalltraining verbessert auch VHF

Nicht nur MI-Patienten profitieren vom Intervalltraining. Auch bei Menschen mit Vorhofflimmern (VHF) lassen sich damit vielversprechende Ergebnisse erzielen. So kam eine norwegische Studie zu dem Ergebnis, dass aerobes Intervalltraining (AIT) die Zeiten mit VHF im Mittel verringern kann.2 Verglichen wurden dabei VHF-Betroffene, die 3-mal pro Woche ein AIT absolvierten, mit VHF-Patienten, die ihre Bewegungsgewohnheiten beibehielten. Das AIT verbesserte nicht nur das VHF, sondern führte auch zu einer Reduktion des Körpergewichts und des BMI.2

Körpergewicht hat großen Einfluss auf VHF

Der positive Effekt eines Gewichtsverlusts auf das VHF ist gut untersucht. Im Rahmen der LEGACY-Studie fand man beispielsweise Folgendes heraus: VHF-Betroffene, die ≥ 10 % ihres Körpergewichts verloren und ihr neues Gewicht hielten, hatten eine 6-fach höhere Wahrscheinlichkeit, frei von Arrhythmien zu bleiben, als VHF-Betroffene, die < 3 % ihres Gewichtes verloren.3

HIIT auch bei Herzinsuffizienz?

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 untersuchte, ob HIIT auch bei Patienten mit Herzinsuffizienz (HI) Vorteile bringt. Die folgenden Parameter wurden bewertet: maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max), Herzfrequenz, LVET (left ventricular ejection time), kardiale Biomarker, Gefäßfunktion, Blutdruck, Körperzusammensetzung und unerwünschte Ereignisse.4 Die Autoren werteten am Ende 9 Studien aus den Jahren 2016–2021 aus und kamen zu dem Ergebnis, dass HIIT bei HI-Patienten ähnliche oder bessere Ergebnisse liefert als andere Trainingsmethoden. HIIT kann den Autoren zufolge als Teil der kardialen Rehabilitation die Körpermasse von HI-Patienten mit wenigen bis keinen unerwünschten Ereignissen verringern und hat ein gutes Sicherheitsprofil.4

Fazit

Für Menschen, die sich nach einem MI in Rehabilitation befinden, scheint das HIIT mit einem größeren Nutzen verbunden zu sein als das MICT.1 Darüber hinaus können auch VHF- und  HI-Betroffene von Intervalltraining profitieren. Dabei scheint der positive Effekt dieses Trainings auf das Körpergewicht der Patienten von besonderer Bedeutung zu sein.2 Allerdings muss dies noch in weiteren Studien mit mehr Teilnehmern bestätigt werden.

Quellen:

  1. Dun Y et al. High-intensity interval training improves metabolic syndrome and body composition in outpatient cardiac rehabilitation patients with myocardial infarction. Cardiovasc Diabetol 2019;18:104; unter: https://cardiab.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12933-019-0907-0 (abgerufen am 06.04.2022).
  2. Malmo V et al. Aerobic Interval Training Reduces the Burden of Atrial Fibrillation in the Short Term: A Randomized Trial. Circulation 2016;133:466–473; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26733609 (abgerufen am 06.04.2022).
  3. Chung MK et al. Lifestyle and Risk Factor Modification for Reduction of Atrial Fibrillation: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation 2020;141:e750–e772; unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32148086 (abgerufe am 06.04.2022).
  4. Yu AKD et al. High-Intensity Interval Training Among Heart Failure Patients and Heart Transplant Recipients: A Systematic Review. Cureus 2022;14:e21333; unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35186591/ (abgerufen am 06.04.2022).

Bildquelle: AdobeStock #71259357; Urheber: Salome