CV-Mortalität bei VHF: der Herzfrequenzvariabilitätsindex als Prädiktor

Der Herzfrequenzvariabilitätsindex – erhoben aus einem fünfminütigen Ruhe-EKG – kann laut einer aktuellen Studie als unabhängiger Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität bei VHF dienen.1 Hier sind die Studiendaten kompakt für Sie zusammengefasst.

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Das Wichtigste in Kürze

Die bisher größte Untersuchung der prognostischen Stärke von Herzfrequenzvariabilitätsparametern in einer Kohorte von Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) kam zu den folgenden Erkenntnissen:1

  • Der trianguläre Herzfrequenzvariabilitätsindex (HRVI) ist ein unabhängiger Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität bei VHF-Patienten (Berechnung siehe Infobox).
  • Der HRVI kann auch als Prädiktor für die Gesamtmortalität dienen.
  • Der HRVI korreliert mit verschiedenen klinischen Parametern wie Alter, CHA2DS2VASc-Score und VHF-Symptomen.

Analyse von 1.922 Patientendaten

In einer von Hämmerle et al. durchgeführten und im Journal of the American Heart Association veröffentlichten Studie waren die Daten von 1.922 Patienten der laufenden prospektiven, multizentrischen Kohortenstudie Swiss-AF analysiert worden. Alle untersuchten Patienten waren im Alter von 73 ± 8 Jahren und wiesen ein dokumentiertes Vorhofflimmern (VHF) in der Vorgeschichte auf.1 Das zu Studienbeginn erstellte, mindestens fünfminütige hochauflösende 16-Kanal-Ruhe-EKG nutzten die Forscher, um folgende Parameter der Herzfrequenzvariabilität (HRV) mittels spezieller validierter Software zu errechnen:1

  • Herzfrequenzvariabilitätsindex (HRVI; heart rate variability triangular index)
  • Standardabweichung der Normal-to-Normal-Intervalle (SDNN)
  • Root Mean Square of successive Differences von aufeinanderfolgenden Normal-to-Normal-Intervallen (NN-Intervalle)
  • mittlere Herzfrequenz

Bei jährlichen Follow-up-Untersuchungen wurden klinische Ereignisse festgestellt. Der primäre Endpunkt dieser Analyse war der kardiovaskuläre Tod.1 Sekundäre Endpunkte waren definiert als Gesamtmortalität, Myokardinfarkt (MI), ischämischer Schlaganfall, schwere und klinisch relevante Blutungen sowie als Hospitalisierung infolge einer Herzinsuffizienz.

Erniedrigter HRVI mit erhöhter Mortalität assoziiert

Während des durchschnittlichen Follow-ups von 2,6 ± 1,0 Jahren starben 143 Patienten (7,4 %). Bei 92 Patienten lag dem Tod eine kardiovaskuläre Ursache zugrunde.1 Die Forscher kamen nach der Auswertung der Daten zu folgenden Resultaten:

  • Im Cox-Regressionsmodell korrelierten alle HRV-Parameter mit dem Alter und dem CHA2DS2VASc-Score, aber nicht mit dem Geschlecht. Der HRVI war außerdem mit dem systolischen und diastolischen Blutdruck sowie mit VHF-Symptomen assoziiert.1
  • Zudem zeigten die analysierten Studiendaten, dass ein erniedrigter HRVI (≤ Median-HRVI von 14,29) mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität korreliert – und zwar unabhängig davon, ob sie im Cox-Regressionsmodell nur um das Alter (Hazard Ratio [HR]: 1,71; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,13–2,60; p = 0,01) oder auch um weitere Parameter, zum Beispiel um das Geschlecht, bereinigt wurden (HR: 1,70; 95-%-KI: 1,12–2,59; p = 0,01).1 Dabei spielte es auch keine Rolle, ob die Patienten bei der EKG-Aufnahme zu Studienbeginn ein VHF (42 %) oder einen Sinusrhythmus (58 %) aufwiesen (pInteraktion = 0,052).1 Die anderen HRV-Parameter hatten keinen Einfluss auf die kardiovaskuläre Mortalität.
  • Auch die Gesamtmortalität war bei Patienten mit einem erniedrigten HRVI (≤ Median-HRVI von 14,29) höher. Dies war ebenfalls unabhängig davon, ob sie nur um das Alter (HR: 1,48; 95-%-KI: 1,06–2,01; p = 0,02) oder auch um weitere Störfaktoren bereinigt wurde (HR: 1,42; 95-%-KI: 1,02–1,98; p = 0,04).1
  • Es gab keinen Zusammenhang zwischen dem HRVI oder anderen HRV-Parametern und den sekundären Endpunkten MI, ischämischer Schlaganfall, schwere und klinisch relevante Blutungen sowie Hospitalisierung infolge einer Herzinsuffizienz.1

Fazit

Diese Kohortenstudie zeigt, dass der HRVI als unabhängiger Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität und somit zur Identifikation von Hochrisikopatienten bei VHF genutzt werden kann. Eine Limitation dieser Studie besteht darin, dass die HRV-Parameter auf Basis fünfminütiger EKG-Aufzeichnungen bestimmt wurden. Eine Validierung der Ergebnisse mit Langzeit-EKG-Messungen steht noch aus. Es bleibt zudem zu klären, ob eine beeinträchtigte HRV als Teil des pathophysiologischen Prozesses zur erhöhten Mortalität bei VHF-Patienten beiträgt oder ob die HRV lediglich ein Marker für eine schlechte Prognose ist.1

Informationen zum Herzfrequenzvariabilitätsindex (HRVI, heart rate variability triangular index)

Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt die physiologische Veränderung einer Zeitreihe von aufeinanderfolgenden Herzaktionen (Normal-to-Normal-Intervallen, NN-Intervallen) mittels einer Vielzahl mathematisch berechneter Parameter. Der HRVI ist einer davon.2 Er ist definiert als das Integral der Dichteverteilung (Anzahl aller NN-Intervalle dividiert durch das Maximum [Höhe] der Dichteverteilung) beziehungsweise als der Quotient aus der absoluten Anzahl der NN-Intervalle und der Anzahl der modalen NN-Intervalle.2

In der Studie von Hämmerle et al. wurden zur Berechnung der HRVI alle NN-Intervalle abhängig von ihrer Länge in etwa 8 ms (genauer 7,8125 ms = 1/128 Sekunden) lange Klassen eingeteilt und ein medianer HRVI von 14,29 ermittelt.1

Quellen:

  1. Hämmerle P, Eick C, Blum S et al. Heart Rate Variability Triangular Index as a Predictor of Cardiovascular Mortality in Patients With Atrial Fibrillation. J Am Heart Assoc 2020; 9: e016075. https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/JAHA.120.016075.
  2. Sammito S, Thielmann B, Seibt R et al. S2k-Leitlinie: Nutzung der Herzschlagfrequenz und der Herzfrequenzvariabilität in der Arbeitsmedizin und Arbeitswissenschaft (Stand 06/2014). Verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/002-042l_S2k_Herzschlagfrequenz_Herzfrequenzvariabilit%C3%A4t_2014-07.pdf (abgerufen am 21.01.2021).

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